Frühchen

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Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich schon mal eine kleine Serie Frühchenfotos gemacht. Ich habe irgendwo zufällig „vorher/nachher“ Fotos von frühgeborenen Kindern gesehen und fand das eine sehr nette Idee. Meine eigene Tochter kam 8,5 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Das ist nicht so früh, dass sie nach der Geburt in akuter Lebensgefahr gewesen wäre. Aufgrund von immer wieder auftretenden Komplikationen, hatten wir jedoch den einen oder anderen bangen Moment und lange Zeit die Ungewissheit, ob sie sich gesund entwickeln wird. Inzwischen ist Jasmin fast 4 Jahre alt und es gibt augenscheinlich keinen Unterschied zu gleichaltrigen Kindern mehr. Dieses Glück und die Freude darüber, wollte ich als Fotografin und Mama eines Frühchens festhalten.

Im Laufe der Zeit wurde ich immer wieder darauf angesprochen, wie viel Zuversicht und Hoffnung diese Fotos frischgebackenen Frühcheneltern gegeben haben. Wenn ich an die ersten Tage und Wochen zurückdenke, sind Hoffnung und Zuversicht ganz wichtige Begleiter. Man wird mitten aus einer Schwangerschaft gerissen, die eigentlich noch lange nicht zu Ende gewesen wäre. Man hatte Vorstellungen wie die Geburt, die ersten Stunden und Tage mit dem ersehnten und geliebten Kind sein werden und dann kommt alles anders. Plötzlich ist man Mutter, in meinem Fall zum ersten Mal. Es geht einem gesundheitlich selbst nicht gut, das Baby ist schon mehrere Tage alt und man hat es bisher nur auf Fotos gesehen. Wenn man sich selbst so halbwegs erholt hat, geht man vorerst mal ohne Kind nach Hause… das ist keine einfache Zeit. Kommt dann auch noch dazu, dass das Kind wochenlang in Lebensgefahr schwebt, wird es um ein vielfaches schwerer. Leider geht es nicht immer gut aus und nicht jeder kleine Kämpfer darf zu einem gesunden und fröhlichen Kind heranwachsen. Allein schon der Gedanke daran ist schwer zu ertragen.

Dennoch besteht Grund zur Hoffnung, denn es gibt ganz viele die es geschafft haben. Ich durfte einige von ihnen fotografieren und mir ihre persönlichen Geschichten anhören. Egal wie früh oder verhältnismäßig spät diese Kinder oder inzwischen schon Jugendlichen und Erwachsenen zur Welt kamen, jeder hat seinen eigenen Kampf geführt. Manches Mal wurde wochenlang um den Erhalt der Schwangerschaft und somit um das Leben des Ungeborenen gekämpft. Bei anderen kam es in einer unkomplizierten Schwangerschaft ohne Vorankündigung zum plötzlichen Einsetzen der Wehen. Die Gründe für die Frühgeburten meiner Projektteilnehmer waren unter anderem vorzeitige Wehentätigkeit, Muttermundöffnung oder Blasensprung, Gestose, HELLP-Syndrom, Unterversorgung, Wachstumsstillstand und eine Infektion im Fruchtwasser. Viele von ihnen haben den schwierigen Start hinter sich gelassen und sind inzwischen völlig gesund, manche haben motorische Entwicklungsverzögerungen oder ein paar andere Probleme. Besonders schön finde ich, dass sich auch eine Hebamme und eine werdende Mami unter den erwachsenen Mädels befinden.

Statistisch gesehen erblickt jedes 10. Kind vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt. Ein ganz großes Danke geht an dieser Stelle an alle Ärzte, Schwestern, Hebammen und Therapeuten, ohne die es die meisten unserer Kinder wohl nicht ins Leben geschafft hätten! Ich hoffe, dass ganz viele Frühcheneltern meine Fotos sehen und ein kleines Bisschen Hoffnung, Mut und Zuversicht daraus schöpfen können, für den mitunter steinigen Weg der vor ihnen liegt.

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